Zeichnung / Grafik

27.04. – 31.12.2026

Offenes Atelierhaus 26.04.2026 von 14:00 bis 18:00 Uhr
Öffnungszeiten und Führungen nach Vereinbarung

Vera Fles-Schönegge
Johanna Krimmel
Ulrike Rothamel
Brigitte Satori Constantinescu
Rainer Lind
Georg Schrabeck
Bernhard&Meyer

Jahresausstellung der Künstler:innen des Atelierhaus Darmstadt

In einer Zeit wachsender Beschleunigung, digitaler Bilderfluten und permanenter Meinungsäußerung setzt die Jahresausstellung Zeichnung / Grafik bewusst auf ein ursprüngliches, unmittelbares Medium: die Linie. Zeichnung bedeutet Verlangsamung. Sie ist Konzentration, Spur, Widerstand gegen das Flüchtige – und zugleich ein hochaktuelles Ausdrucksmittel zwischen Analogem und Digitalem.

Ohne thematische Vorgaben wählen die Künstler:innen des Atelierhaus frei aus ihrem Werkbestand. So entsteht ein vielstimmiges Panorama zeitgenössischer Zeichnung und Druckgrafik – geprägt von biografischen Erfahrungen, gesellschaftlichen Spannungen und medienreflexiven Fragestellungen unserer Gegenwart.

Gezeigt werden Arbeiten aus unterschiedlichen Jahrzehnten und in vielfältigen Techniken: Graphit- und Tuschzeichnungen, Radierungen, Siebdrucke, analoge und digitale Zeichnungen, hybride Verfahren sowie eine Videoinstallation, die Zeichnung in den medial erweiterten Raum überführt.

Künstlerische Positionen im Kontext unserer Zeit
• Sprachkritische Zeichnung – Linie als Reaktion auf die Beliebigkeit von Worten und die Überfülle an Meinungen; Zeichnung als präzise, nicht ausweichende Setzung.
• Serielle Entwicklung über Jahrzehnte – Arbeiten von 1980 bis heute machen sichtbar, wie sich künstlerische Handschriften im Wandel gesellschaftlicher und technischer Bedingungen verändern.
• Biografische Spurensicherung – Druckgrafik als Reflexion über Herkunft, Identität und soziale Übergänge zwischen ländlichem und urbanem Raum.
• Energetische Linienlandschaften – psychische Verdichtungen zwischen Albtraum und Realität; innere Zustände als Resonanz auf äußere Unsicherheiten.
• Poetische Miniaturen – tägliche Zeichnungen als leise Gegenbilder in einer Zeit globaler Krisen; Beharrlichkeit statt Lautstärke.
• Mythos und Erkenntnisdrang – Ikarus als zeitloses Bild für Fortschrittseuphorie, Grenzüberschreitung und das Risiko des Scheiterns im 21. Jahrhundert.
• Zeichnung im erweiterten Raum – Fragmentierung, Zoom, Video und digitale Bearbeitung spiegeln unsere mediale Wahrnehmungskultur.

Das Atelierhaus wird zum Ausstellungsraum. Flure und Treppenhaus zeigen sichtbar: Hier wird Kunst nicht nur präsentiert, sondern gedacht und gelebt.

Die Ausstellung ist als permanente, jedoch wandelbare Präsentation konzipiert. Werke können im Laufe des Jahres ausgetauscht werden – ein lebendiges Format, das auf aktuelle Entwicklungen reagiert und in Bewegung bleibt.

Freier Eintritt nach Vereinbarung.
Führungen durch die Künstler:innen selbst.
Zur Eröffnung im Projektraum „Offenes Atelierhaus“ ist ein partizipatives Zeichnungs-Event geplant – eine Einladung, in einer digitalen Zeit selbst zur Hand und zur Linie zurückzukehren.

Zeichnung heute: konzentriert, widerständig, offen.
Ein Haus der Kunst im Dialog mit seiner Zeit.